Paul Englisch definierte 1933 Plagiat als „… die aus freier Entschließung eines Autors oder Künstlers betätigte Entnahme eines nicht unbeträchtlichen Gedankeninhalts eines anderen für sein Werk in der Absicht, solche Zwangsanleihe nach ihrer Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen und den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken“.

In den USA ist die Definition der Modern Language Association gebräuchlich: "Plagiat umfasst unter anderem die Unterlassung von geeigneten Quellenhinweisen bei der Verwendung der Formulierungen oder besonderen Wortwahl eines anderen, der Zusammenfassung der Argumente von anderen oder die Darstellung vom Gedankengang eines anderen.“

Der Duden sprach von der „unrechtmäßigen Nachahmung und Veröffentlichung eines von einem anderen geschaffenen künstlerischen oder wissenschaftlichen Werkes; Diebstahl geistigen Eigentums“. Aktuell hat der Duden den Begriff ausgeweitet, so dass nun explizit auch unrechtmäßig übernommene Teile einer Arbeit zum Plagiat führen: "unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen öä eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung; Diebstahl geistigen Eigentums". Er erläutert das Verb „plagiieren“ als „fälschen, imitieren, kopieren, leihen, übernehmen; (bildungsspr.): ein Plagiat begehen; (ugs.): faken, nachmachen; (abwertend): nachäffen“.1

Unterschieden werden muss zwischen einem Plagiat iSd Studien- und jenem des Urheberrechts:

 

Studienrecht - Nichtigerklärung von Beurteilungen

Überdies ist die Beurteilung (…), einer wissenschaftlichen Arbeit (…) mit Bescheid für nichtig zu erklären, wenn diese Beurteilung, insbesondere durch die Verwendung unerlaubter Hilfsmittel, erschlichen wurde.

Sobald eine wissenschaftliche Arbeit nicht die nach den studienrechtlichen Vorschriften erforderliche Eigenständigkeit aufweist, liegt ein Plagiat vor. Beispiele hierfür sind das Verfassen durch einen Dritten („Ghostwriter“) oder die Übernahme einer Arbeit eines Dritten. Eine teilweise Übernahme fremder Inhalte ist nur insoweit zulässig, als dabei die für die jeweilige Arbeit erforderliche Eigenständigkeit gewahrt bleibt und die urheberrechtlichen Vorschriften („Zitatrecht“) eingehalten werden.2

 

Urheberrecht

Gegen die Regeln des Urheberrechts, insb des Urhebergesetzes 1936, wird verstoßen, wenn fremdes Gedankengut in die eigene Arbeit übernommen wird und dies nicht als solches kenntlich gemacht wird („Kleinzitat“, „Großzitat“) und eine entsprechende Quellenangabe in der Arbeit erfolgt3. Dies gilt auch für Übersetzungen sowie ausländische Werke. Die in der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin gebräuchlichen Standards und Richtlinien sind einzuhalten.

Ein Plagiat iSd Urheberrechts ist nicht gleichzusetzen mit einem Plagiat iSd Studienrechts, wenn das Plagiat keine oder nur geringe Auswirkungen auf die Eigenständigkeit der Arbeit hat, zumal das Urheberrecht andere Ziele verfolgt als das Studienrecht. Dennoch widerspricht auch ein Plagiat iSd Urheberrechts den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens und ist vom/von der Betreuer/in zu unterbinden4.

Folgende Fälle erfüllen also den Tatbestand des Plagiats (entweder im studien- oder urheberrechtlichen Sinne)

  • vollständige oder teilweise Übernahme von Texten und oder Lösungsansätzen und oder Ideen Anderer
  • bloße minimale Umformulierungen, ohne Erreichen der erforderlichen Eigenständigkeit
  • jeweils ohne Herkunfts-/Quellenangabe

Falls eindeutig erkennbar ist, dass der jeweilige Inhalt „nur“ übernommen wurde, liegt kein Plagiat vor und die Übernahme ist zulässig.

 

Sanktionen5:

a) Das Plagiat wird während der Verfassung der wissenschaftlichen Arbeit entdeckt:

Hier hat (…) der Betreuer auf diesen Umstand hinzuweisen und darauf hinzuwirken, dass dieses Defizit behoben wird.

In schwerwiegenden Fällen, die geeignet sind, das Vertrauensverhältnis zwischen Betreuer (…) und Verfasser (…) nachhaltig zu beeinträchtigen, hat eine Meldung an die Fakultätsstudienleitung zu erfolgen, die darüber zu entscheiden haben wird, ob das Betreuungsverhältnis aufgehoben wird.

b) Das Plagiat wird nach Einreichung, aber vor Beurteilung der Arbeit entdeckt:

Eine solche Arbeit wird wegen der Nichteinhaltung der wissenschaftlichen Standards mit „Nicht genügend“ beurteilt. Bei Seminararbeiten ist die betreffende Lehrveranstaltung zu wiederholen, da es sich dabei um eine Lehrveranstaltung mit immanenten Prüfungscharakter handelt.

c) Das Plagiat wird nach Einreichung und erfolgter Beurteilung der Arbeit entdeckt:

Diesfalls sind die Rechtsfolgen in § 74 iVm § 89 Universitätsgesetz 2002 geregelt. Die Beurteilung der eingereichten Arbeit ist mit Bescheid für nichtig zu erklären. Wurde ein darauf beruhender akademischer Grad verliehen, ist der Verleihungsbescheid aufzuheben und einzuziehen.

d) Urheberrecht: Eine Urheberrechtsverletzung kann zivilrechtliche (Unterlassungs-, Beseitigungs- und Schadenersatzanspruch des/der Urhebers/in) und mitunter auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen6.

 

Es wird darauf hingewiesen, dass eingereichte wissenschaftliche Arbeiten regelmäßig einer Überprüfung durch die Plagiatsoftware der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck unterzogen werden.

 

[1] § 74 Universitätsgesetz 2002

[2] http://www.wu.ac.at/academicstaff/info/thesis/plag/plagiatsrichtlinie_15.09.2011.pdf, S 1, Punkt 2

[3] §§ 46 Z 1, 2, 57 Abs 2 Urheberrechtsgesetz 1936

[4] http://www.wu.ac.at/academicstaff/info/thesis/plag/plagiatsrichtlinie_15.09.2011.pdf, S 1,2, Punkt 2

[5] Merkblatt Plagiat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

[6] http://www.wu.ac.at/academicstaff/info/thesis/plag/plagiatsrichtlinie_15.09.2011.pdf, S 3

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat

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